Performance

staub

Verena Lercher
Verena Lercher
Verena Lercher

Ich halte diese Vorträge nicht,
um die Leute zu überraschen,
sondern aus poetischer Notwendigkeit.
(John Cage)

staub bezieht sich auf Performance- und Vortragsstudien der 60er Jahre, will aber das performative und klangliche Vokabular auf der Basis dieser Vorlagen durch nie oder selten gelesene Texte erweitern und diese als gegenwärtigen „medialen Subtext“ klanglich in den Raum transportieren. Bedienungsanleitungen, Gebrauchsanweisungen, Nutzungsbedingungen und Lizenztexte, Sprachkonstruktionen, die unser Leben als Nutzer nahezu unbemerkt beeinflussen, prägen und bestimmen, werden als a-theatralische Wortkonstruktionen verstanden und gestisch erforscht.

Die im Probenprozess recherchierten Texte werden für jede Vorstellung zu einem kleinen Buch gebunden, aus dem gelesen und vorgetragen wird. Gleichzeitig stellt das Buch selber eine Bedienungsanleitung für den Abend dar. Dessen Seiten aus Papier werden im Verlauf herausgerissen, gefaltet, zerknüllt und verarbeitet entsprechend der Anweisungen, die auf ihnen vermerkt wurden. Während die Performance in der Zeit voranschreitet, löst sich das Buch langsam in seine Bestandteile auf. Die gesamte Performance wird durch Richtmikrofone unbemerkt aufgezeichnet und am Ende abgespielt. Wie ein Nachhall, aus einem überdimensionalen Erinnerungsspeicher wird das vorangegangene Geschehen rekapituliert und durch Mikrofon- und Lautsprecherfärbung sowie die Raum- und Aufzeichnungsperspektive medial verzerrt gespiegelt. Ohne Rücksicht auf die Intimität des eben Erlebten, spult der mediale Gedächtnisapparat den „Live“ – Moment ab und nutzt dazu den gleichen Raum, der somit entzaubert und emotional entladen wird. Auf dem Boden ein Haufen kleiner Papierreste.

Konzept & Performance: Verena Lercher
Buch: Verena Lercher