Performance

Das Monumentale ist meine Krankheit

Verena Lercher
Verena Lercher
Verena Lercher

Man hält mich immer für einen Menschen, der unmittelbar an Politik interessiert ist.
Das ist Unsinn.
(Heiner Müller)

Im Auftrag des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum (KiöR) Graz befragte das Berliner Künstlerpaar Dellbrügge & de Moll  das Verhältnis von Kunst und Macht. In Graz, einst „Stadt der Volkserhebung“, trafen sie damit auf einen Resonanzraum.
Im Rahmen eines langwierigen Rechercheprozesses beschäftigten sie sich mit dem Verhältnis von Kunst und Staatsmacht im Dritten Reich, aber auch mit den Nachwirkung dieser Verwicklungen, die bis in unsere Gegenwart hinein reichen. Am Beispiel des Staastkünstlers Arno Breker und dessen engen Verbindung zu Hitler, dem SS-Staat und der einhergehenden Vermischung von rechter Ideologie und Kunstauffassung zeichneten sie ein erschreckend zeitloses Bild von Kontrolle, Macht und Deutungshoheit über Kunst und Nicht-Kunst nach. Im Kern aller Überlegungen fanden sich drei Fragen:

Welche Bedingungen konstituieren künstlerische Produktion?
Welche Funktion schreibt die Politik der Kunst zu?
Wie verhält sich die Kunst zur Politik?

Hinter dem Ehren- und Mahnmal für die Gefallenen beider Weltkriege von Alexander Silveri an der Grazer Wallanlage öffnet sich ein schmaler Raum, der vom Park aus nicht eingesehen werden kann. Hier, im Rücken des Mahnmals, inszenierten die Künstler Belege ihrer Recherche.

Der Performerin wurden Originaltexte von Breker, Hitler, Goebbels, Ideologen und Kunsthistorikern zur Verfügung gestellt, um das Sprechen über Kunst in der Nazizeit hörbar zu machen.
In einem zweiwöchigen, öffentlichen Arbeitsprozess wurden diese Texte an verschiedenen Tagen gesprochen und probiert. Hierbei wurden einzelne Passagen wiederholt und in unterschiedlichen Haltungen und Sprechweisen vor Publikum artikuliert. Gemeinsam und im öffentlichen Gespräch mit Dellbrügge & de Moll entwickelte die Performerin täglich eine andere Vortragsweise für das entsprechende Material, die sich abhängig von Publikum, Körpergeste und Raumbespielung ändern konnte. Somit wurde der Inhalt aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und eine weniger historische als gegnwärtige Reflektion der sensiblen Inhalte ermöglicht.

Eröffnung: 18. September 2015, Graz

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